Seit vier Jahrzehnten malt Harald Scheicher (*1959) seine Ölbilder ausschließlich “pleinair“ – im Freien direkt vor dem Motiv. Mit Malkasten, Staffelei und Leinwand sucht er zu jeder Jahreszeit jene Stellen in der Landschaft auf, die sein Interesse wecken. In bis zu 5 Stunden entsteht das Bild in einem Prozess in Auseinandersetzung mit dem Seheindruck ohne nachträgliche Änderungen oder Ausbesserungen im Atelier, um die Unmittelbarkeit des Erlebens und Reagierens nicht zu verfälschen. Im Bewusstsein, wie sehr sich das menschliche Sehen als neuronale Verarbeitung der äußeren Welt von der nach den Gesetzen der Optik funktionierenden Fotografie unterscheidet, gestaltet Harald Scheicher seine Bilder in präziser Beobachtung und staunender Anteilnahme. Das menschliche Gehirn nimmt im Akt des Sehens Größenverhältnisse, Tiefe und nicht zuletzt Farben anders wahr als ein technischer Apparat, so genau uns dessen Abbild auch erscheinen mag.
Während gegenständliche Malerei heute jedoch vielfach nach fotografischen Vorlagen erfolgt oder massiv surreale Verfremdung darstellt – Möglichkeiten die durch den Einsatz von KI noch immens gesteigert werden, geht es Harald Scheicher um das unmittelbare, analoge Darstellen erlebter Welt. Dies scheint in der allgegenwärtigen, unermesslichen Bilderflut nahezu im Verschwinden begriffen. So steht Harald Scheicher mit seiner Malerei bewusst abseits der gängigen zeitgenössischen Strömungen. Durch seine langjährige Tätigkeit als Arzt ist er einer strengen Schule naturwissenschaftlichen Denkens verpflichtet. Seine Art zu malen resultiert für ihn nicht aus mangelnder Kenntnis des zeitgenössischen Kunstbetriebes, sondern ist klares Verfolgen eines für sich erkannten eigenen Weges.
Während das Thema der frühen Bilder Harald Scheichers hauptsächlich der Mensch war – oft in existentiellen Grenzsituationen –, stehen seit Mitte der 1980er Jahre die Landschaft und auch Blumen im Zentrum des malerischen Schaffens. Immer wieder schildert der Maler so seine nähere Region – die Südkärntner Landschaft von Zell Pfarre über das Jauntal mit der Drau und seinen Seen bis Diex – die ihm im abwechslungsreichen Nebeneinander von hohen Bergen und weiten Talflächen, von Gebirgsbächen und Badeseen nahezu unerschöpfliche Bildmotive bietet. Daneben führen ihn Malreisen immer wieder auch nach Istrien, Dalmatien und Sizilien.